Dienstag, 10. Juli 2018

8.7.2018 5. und letzter Reisetag: Prager Kleinseite (Malá Strana) - Hradschin - Heimreise

Letzter Tag unserer kurzen Böhmenreise. Wir besuchen noch die Prager Burg auf dem Hradschin. Die Linie 23 bringt uns direkt vom Hotel hinauf zur Burg.
Die Prager Burg bildet seit alters die Machtzentrale des Landes. Die Anfänge reichen ins 9.Jh. zurück, als Herzog Borivoy den Herrschersitz der Premysliden von dem 10km entferntem Uferhügel  Levy Hradek auf die Hradschin-Hochebene verlegte. Im 11. Jh. erhielt die Anlage eine Ringmauer mit Wehrtürmen, 1135 begann der Ausbau zum fürstlichen Palast im romanischen Stil. Eine massive Erneuerung - schon im Renaissancestil - erfolgte nach dem Burgbrand 1541 unter dem späteren Kaiser Ferdinand I. Maria Theresias Hofarchitekt Nikolaus von Pacassi verpasste der ganzen Anlage homogene, etwas strenge Fassaden wie sie für die Übergangszeit vom Spätbarock zum Frühklassizismus charakteristisch sind ( W.M.Weiss: Prag, Dumont, Reisetaschenbuch).

Auf dem Hradschin am Weg zur Burg..  




In den 1. Burghof oder Ehrenhof gelangt man durch das von ‚kämpfenden Giganten‘ bekrönte Prunkgitter.


durch das Matthiastor, eines der ersten frühbarocken Bauwerke Prags, das ursprünglich einen römischen Triumphbogen nachahmend frei auf dem Burgwall stand, kommt man 



in den 2. Burghof mit einem frühbarocken Zierbrunnen (1686) von Francesco della Torre mit Götterfiguren und Löwen von Hieronymus Kohl. 


Im 3. Burghof steht man unmittelbar vor dem St.-Veitsdom bzw. dessen 82m hohen Türmen und dem die Westfassade dominierenden riesigen Rosettenfenster - eine ‚grandiose bauliche Schöpfung‘!


Das bronzene Hauptportal an der Westseite


Vorbei an der Alten Probstei, deren Ecke eine barocke Statue des hl. Wenzel (1662, Johann Georg Bendl) ziert, kommt man zur


Südseite des Veitsdoms und einem Granitobelisken zum Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs 


Das Südportal, die Goldene Pforte (Zlatá brána), durch diese dreibogige Arkade betraten die Könige auf ihrem Krönungsweg den Dom
Über drei Spitzbögen leuchtet ein Glasmosaik von 85m2, das von venezianischen Kunsthandwerkern 1370 im Auftrag Kaiser Karls IV. geschaffen wurde, in rund 30 Farbtönen und gemahnt die Betrachter an das Jüngste Gericht.



Gegenüber der Alte Königspalast, die Urzelle des Epizentrum der Macht, wo die böhmischen Könige aus den Häusern der Premysliden, der Luxemburger und der Jagiellonen residierten.



Die Hauptattraktion des Rundgangs im Palast bildet der Vladislav-Saal. Der 62m lange und 16m breite Raum wurde um 1500 nach Plänen Benedikt Rieds erbaut und ist ein Meisterwerk spätgotischer Baukunst. Hier fanden alle bedeutenden Versammlungen, Landtagssitzungen, aber auch Bälle und Bankette statt.



Der Landtagssaal auch von Benedikt Ried wurde 1541 beim Burgbrand völlig zerstört und später im Stil der Spätgotik rekonstruiert.



Ausblicke vom Königspalast auf die Stadt


und die Karlsbrücke

            

Beim Verlassen des Königspalastes steht man vor der St.-Georgs-Basilika, dem ältesten Sakralbau auf dem Hradschin mit der rot-gelben Fassade.



Dahinter verbirgt sich ein schlichter romanischer Innenraum, der in der Mitte des 12. Jh. entstand, nachdem ein bereits 920 gestifteter Vorgängerbau durch ein Feuer zerstört worden war. 


Eines der wenigen späteren Einsprengseln bildet die barocke Doppeltreppe auf den erhöhten Chor, in dem Reste von Wand- und Deckenmalereien aus dem 13. Jh. erhalten sind.




Weiter geht‘s in das Goldene Gässchen im nordöstlichen Winkel des Burgareals. Der Legende nach lebten hier in den kleinen Häuschen Alchemisten, die sich an der Umwandlung von Blei in Gold versuchten. In Wirklichkeit hatte Rudolf II. hier seine Burgwache einquartiert, die ihren mageren Sold mit dem Verkauf von Handwerksarbeiten aufbesserten


Ab 12h endlich wird der Veitsdom zugänglich. Wir kommen um 12:15h zum Eingang, wo sich schon eine - ungefähr der Länge des Doms (124m) entsprechende - Menschenschlange gebildet hatte. Dank guter Organisation betrug die Wartezeit trotzdem nur 15-20 Minuten. 


Der Veitsdom (auch St.-Veits-Dom) auf der Prager Burg ist die Kathedrale des Erzbistums Prag und das größte Kirchengebäude Tschechiens. Sie wurde unter Karl IV. ab 1344 erst von Matthias von Arras und dann vor allem durch Peter Parler nach dem Vorbild der französischen Königskathedralen errichtet. Die böhmischen Könige zogen in einer feierlichen Prozession über den Königsweg aus der Prager Altstadt in den Dom hinein, der als Krönungskirche diente. Der Dom enthält neben den Grabstätten der böhmischen Herrscher auch die Krönungsinsignien, welche in der Kronkammer aufbewahrt werden. Der Dom ist Teil des Welterbes Historisches Zentrum von Prag (Wikipäd)







Der Reliquienaltar des hl. Johannes von Nepomuk, den Karl VI. von einem Wiener Kunstschmied anfertigen ließ. Den roten, von vier silbernen Engeln gehaltenen Damastbaldachin stiftete Maria Theresia.



Die Wenzelskapelle bildet den Höhepunkt und Abschluss des Domrundgangs: Peter Parler hat sie 1358-67 im Auftrag Karls VI. als Grab- und Reliquienkapelle für die sterblichen Überreste des hl. Wenzel geschaffen. Mehr als 3000 mit Goldplättchen eingerahmte Halbedelsteine schimmern von den Wänden, dazwischen Gemäldezyklen mit Szenen aus der Passion Christi und dem Leben des hl. Wenzel. 


L

Wir wollen heute noch nach Wien zurück, fahren daher mit der Linie 22 wieder hinunter auf den Platz vor der Karlsbrücke und wandern hinüber in die Altstadt:
Ein Blick zurück auf die kleinseitigen Türme der Karlsbrücke...


...auf die Moldau und die Altstädter Seite ...

                      

Blick von der Karlsbrücke auf das Nationaltheater, das 1868 vom tschechischen Architekten Josef Zitek begonnen und großteils mit Spendengeldern finanziert wurde. Der Neo-Renaissance-Bau wurde allerdings kurz vor der Vollendung am 12. August 1881 durch einen Brand zerstört. Nur 2 Jahre später wurde es mit  Bedřich Smetanas Oper ‚Libussa‘ (Libuše) eröffnet. 



Wir wandern zurück über den Altstädter Ring: 
Hier das Haus zur Minute (gleich neben dem Rathaus) mit der Löwenfigur an der Ecke und mit Sgraffito-Szenen aus der antiken Mythologie und der Bibel 



 Das Jan-Hus-Denkmal von Ladislav Šaloun in Bronze gegossen wurde 1915 anlässlich des 500. Todestages des Kirchenreformers enthüllt



Reichlich spät um ~ 15h gönnen wir uns noch einen kurzen Lunch (Quiche, Mehlspeise und Kaffe) 




vor der Abreise im Paul, dann geht‘s zurück zum Hotel: um 16:10h Abfährt und 19:30h Ankunft in Langenzersdorf. 





















Samstag, 7. Juli 2018

7.7.2018. 4.Tag (2.Teil) Prager Altstadt


Wir brechen kurz vor 13h in Karlsbad in Richtung Prag auf, wo wir um ca. 14:30 im Hotel Ankora ankommen. Um 15:15 h fahren wir mit der Metro in die Altstadt (24h Ticket à 110 Kronen). Wir nehmen nahe dem Wenzelsplatz als verspätetes Mittagessen eine Quiche zu uns und begeben uns in das Getümmel der Menschenmassen in der Altstadt. 

Das Nationalmuseum am Wenzelsplatz


Prags berühmtester Jugendstilbau (1905-1911) Obecní dúm, das Gemeindehaus, beherbergt mit dem Smetana-Saal den besten Konzertsaal der Stadt. Das Innere wurde von den besten tschechischen Künstler, z.B. Alfons Mucha, gestaltet. Die Fassade enthält ein halbrundes Mosaik „Huldigung an Prag“ von Karel Špillar.


Die Grenze der Altstadt markiert der 65m hohe Pulverturm. Er wurde Ende des 15. Jh. anstelle eines älteren Wehrtors im Auftrag von König Vladislav II. Jagiello durch Matthias Rejsek errichtet und bildet ein architektonisches Gegenstück zum Altstädter Brückenturm.


Auf dem Staromêstské Námêsti, dem Altstädter Ring (er soll noch eine größere Besucherdichte aufweisen als der Markusplatz in Venedig): im Mittelalter Gerichtsstatt, Turnier- und Versammlungsort. Blick auf die Teynkirche (Kirche der Jungfrau Maria vor dem Teyn = Zaun); der heutige Bau wurde Mitte des 14. Jh. begonnen. Die Giebelfassade und die beiden 80m hohen Türme sind 100 Jahre jünger.
Links im Bild das Palais Kinski, ein spätbarocker Palast mit einer ins Rokoko tendierender Fassade, dürfte von Anselmo Lurago entworfen worden sein, wurde 1765 vollendet und ist heute Teil der Nationalgalerie. Hier wurde 1843 Bertha von Suttner geboren und Franz Kafka, dessen Vater im Erdgeschoss ein Geschäft betrieb, besuchte das zwei Stockwerke darüber untergebrachte Deutsche Gymnasium. Václav Havel verkündete 1990 vom Balkon das Ende der kommunistischen Diktatur.

Rechts daneben das Haus zur steinernen Glocke, das König Johann von Luxemburg als Stadtpalais errichten ließ, auch der spätere Kaiser Karl IV. wohnte hier. Der frühgotische Turmbau vermittelt eine Vorstellung von der herrschaftliche Wohnarchitektur des 13. und 14. Jh. Heute wird das Haus von der Galerie der Stadt Prag genutzt.


Das Altstädter Rathaus, das in den großen Platz hineinragt, kauften die Bürger von einer gewissen Wölfin vom Steine als sie 1338 von König Johann von Luxemburg das Privileg zur Selbstverwaltung der Stadt erhielten. Der mächtige Eckturm - 70m hoch -  wurde 1364 und die im Filigranstil der späten Parker Gotik gehaltene Erkerkapelle 1381 hinzugefügt. Nach schweren Beschädigungen durch die Nazis beim Prager Aufstand 1945 wurde es wieder sorgfältig restauriert. Am Rathaus befindet sich der Orloff  astronomische Uhr aus dem Jahr 1410.


Die Uhr ist zur Zeit leider verdeckt. Auch das gotische Haupteingangsportal von Matthias Rejsek ist nur teilweise sichtbar. Am Alten Rathaus (rot) mit der Inschrift “Prag, Hauptstadt des Königreichs” erkennt man das Altstädter Wappen, seit 1784 Prager Stadtwappen.



Wir wander weiter zur Karlsbrücke. Der Altstädter Brückenturm ist ein Meisterwerk gotischer Bildhauerkunst und wird oft als “der schönste in Europa” bezeichnet. Er spiegelt die damalige Idee eines in verschiedenen Sphären gegliederten Universums. Turm und Skulpturen stammen von Peter Parker.
Samstag nachmittags: die Massen drängen auf die Karlsbrücke ...


Die Kreuherrenkirche am Ostufer (Altstadtufer) der Moldau wurde von Agnes von Böhmen (Schwester des böhmischen Königs Wenzel I.) gestiftet, die 1252 auch den Orden der Kreuzherren mit dem roten Stern gründete. Die ursprüngliche Kirche war gotisch, von 1679-1688 erfolgte ein barocker Neubau, den Jean Baptiste Mathey entwarf.


Auf der Karlsbrücke: 520m lang, 10m breit, steht auf 16 Pfeilern, aus Sandsteinquadern. 1357 auf Anordnung von Karl IV. von Peter Parker begonnen. Sie ersetzte die Judithbrücke und war bis 1836 die einzige Brücke über die Vltava (Moldau). Viele der 30 Statuen sind heute Kopien, die Originale befinden sich im Lapidarium des Nationalmuseums.


Die erste Statue rechts: die Madonna und der hl. Bernhard 1709


Ausblicke auf die Moldau


Im Neorenaissance Gebäude des ehemaligen Altstädter Wasserwerks mit Wasserturm (Altstädter Mühlen) befindet sich das Betdrich Smetana Museum.


Wochenende: auf der Moldau .... 


.....auch auf der Brücke Hochbetrieb (Blick zurück auf die Staré Mêsto, die Altstadt Seite


Blick nach vorne auf die Malá Strana, die Kleinseite




Die Kleinseitner Brückentürme, der kleinere stammt noch von der Judithbrücke, der größere aus dem Jahr 1464.




Wir wandern noch weiter zum Kleinseitner Ring (Malostranské Námêsti), der von der St. Nikolaus-Kirche dominiert und



von der Straßenbahn durchquert wird, die uns von hier zurück zum Wenzelsplatz bringt.



Dort genießen wir in einer Nebengasse im Restaurant Bredosky Dvur ein herrliches Abendessen und begeben uns auf den Heimweg. Von der Station Muzeum haben wir nur eine Station zum Hotel!



8.7.2018 5. und letzter Reisetag: Prager Kleinseite (Malá Strana) - Hradschin - Heimreise

Letzter Tag unserer kurzen Böhmenreise. Wir besuchen noch die Prager Burg auf dem Hradschin. Die Linie 23 bringt uns direkt vom Hotel hinauf...